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Medientipps der Roter Bücherei:

 

 

 

TIPP im Herbst 2017

Bienen 100

Lunde Maja: Geschichte der Bienen
(Mediennummer2017/699 und auch in der ONLEIHE als e-book vorhanden)

Lesenswerter großartiger großer Roman über das Leben dreier Personen, die schicksalshaft mit Bienen verbunden sind. Lunde ist ein in die Erfahrungen der Zeit passender Roman gelungen, der gleichzeitig unterhält, sprachlich fasziniert und über den Alltag hinausführt.

TIPP im
Juli/August 2017

Club 100

Takis Würger: “DER CLUB”
(Mediennummer2017/390)

Als Hans ein Stipendium in Cambridge erhält, soll er Mitglied im elitären Pitt Club werden, um ein Verbrechen aufzuklären. Nach und nach kommen düstere Geheimnisse ans Licht!
Klingt wie ein Thriller, ist aber zugleich ein Stück große Literatur!

Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler
 

TIPP im
Mai/ Juni 2017

Moss 100

Sarah Moss: “ZWISCHEN DEN MEEREN”
(Mediennummer2016/1061)

Nur wenige Wochen nach der Hochzeit muss ein junges Paar sich wieder trennen - für ein ganzes halbes Jahr. Tom Cavendish fährt nach Japan, um Leuchttürme zu bauen; Ally, seine Frau, bleibt in Cornwall, wo sie ihre erste Stelle als Ärztin antritt.

Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler

TIPP im
Februar/ März 2017

stellas traum 100

Annette Hohberg: “STELLAS TRAUM”
(Mediennummer2016/1142)

Stella, Tim und Paul wachsen als unzertrennliche Freunde unbeschwert im Norden Deutschlands auf. Die Erinnerung an diese Kindheit voller Leichtigkeit drängt sich Stella, einer in München nunmehr rund um die Uhr arbeitenden Ärztin, erst auf, als sie zur Beisetzung ihrer Tante reisen muss. In der Heimat holt sie die Vergangenheit ein.

Spannend und mitreißend geschrieben lässt der Roman den Leser nicht mehr los, der mit Entsetzen vom Schicksal der jungen Frau erfährt, das damit begann, dass sich Erotik, Heimlichkeiten und Liebesbeziehungen in die Freundschaft der herangewachsenen Jugendfreunde Stella, Tim und Paul drängten.

Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler
 

TIPP im
Dezember/ Januar 2016/17

Kirchhoff 100

Deutscher Buchpreis 2016!

Bodo Kirchhoff: “WIDERFAHRNIS”
(Mediennummer2016/980)

Bodo Kirchhoff vereint einen rustikalen Erzählstil mit recht bodenständiger Fabulierlust. Diesmal schickt er seinen Helden, einen nicht mehr ganz jungen Verleger namens Reither, in den Süden. Das geht aber nicht von alleine. Eine ebenfalls nicht mehr so junge Hutmacherin schafft es bei einem Blitzbesuch, den Verleger aus seiner Klause zu lotsen. Nach Sizilien! Auf der Autofahrt widerfahren den beiden seltsame Ereignisse. In Catania taucht ein Mädchen auf, verwildert, sprachlos, "verschlagen"; es begleitet sie. Am Ziel nimmt Reither eine nigerianische Flüchtlingsfamilie mit auf die Rückfahrt, seine Begleiterin fährt alleine zurück. Keine Liebesgeschichte also, obwohl es eine Liebesnacht gibt, auch keine italienische Bildungsnovelle - vielmehr ein durchaus charmantes Kunststück über Selbsterkenntnis und Selbstbescheidung. Kommt Bodo Kirchhoff in seine melancholische Erzählphase? Die Widerfahrnisse in der Liebe der Menschen: die Novelle haucht dem fast ausgestorbenen Wort Leben ein. Lesenswert.

TIPP im
Oktober/ November 2016

Schmerz 100

Zeruya Shalev: “SCHMERZ” (2016/640)

Vor zehn Jahren überlebte Iris schwer verletzt ein Bombenattentat in der Jerusalemer Innenstadt. Seitdem wird die 45-jährige Schuldirektorin von Schmerzen geplagt, die sie selbst mit starken Medikamenten nur mühsam unterdrücken kann. Der brutale Eingriff in ihr Leben belastet aber nicht nur ihren Körper, auch ihr Familienleben, das Verhältnis zu ihren mittlerweile fast erwachsenen Kindern und die Beziehung zu ihrem Mann Micki wird davon beeinträchtigt. Voller Hoffnung auf eine neue Therapie begibt sie sich in eine Spezialklinik und erkennt in dem behandelnden Arzt ihre Jugendliebe Eitan Rosen wieder, der sie vor über 30 Jahren verließ, den sie jedoch nie aufgehört hat zu lieben. Die beiden beginnen eine Affäre, und Iris spielt ernsthaft mit dem Gedanken, Micki zu verlassen, den sie sehr mag, aber nie geliebt hat.

Der israelischen Star-Autorin ist ein großartiger, sehr intensiv erzählter Roman von Liebe, Ehe und den Schwierigkeiten, seine Kinder in ein selbstbestimmtes Leben zu entlassen, gelungen. Allen Leserinnen und Lesern  sehr empfohlen. (Übers.: Mirjam Pressler)

TIPP im
Juni/ Juli 2016

Zeh 100

Juli Zeh: “UNTERLEUTEN”
(Mediennummer 2016/385)

Fesselnd erzählter, psychologisch interessanter Heimat- und Gesellschaftsroman.

Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg, nicht weit entfernt von Berlin. Über dieses Dorf und über das Schicksal ihrer Bewohner (Titel!) wird aus jeweils wechselnden Perspektiven über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren hinweg erzählt. Ein Mikrokosmos mit eigenen Gesetzen, scheinbar abgeschieden von den Problemen der modernen Zeit und Welt, ein Fluchtort für großstädtische Romantiker und Aussteiger, aber auch ein Ziel für renditeorientierte Spekulanten. Und was von außen wie eine in eine unversehrte Natur eingebettete Idylle anmutet, in der seltene Vogelarten brüten, mit Menschen von liebenswerter Schrulligkeit und absonderlichem Provinzlertum, erweist sich bei näherer Betrachtung und wenn diese Gemeinschaft einer Belastungsprobe unterzogen wird, als Panoptikum sublimer oder offen zu Tage tretender Bosheit. Hinter der Fassade von friedlichem Zusammenleben lauern Neid und Zwietracht. - Die mehrfach preisgekrönte Autorin entwirft in diesem fesselnd erzählten und psychologisch fundiert ausgearbeiteten Gesellschaftsroman ein realistisches, vielleicht insgesamt zu pessimistisches Szenario. Es lohnt sich für den Leser, dieses skurrile Biotop, in dem die Spezies Mensch in den verschiedensten Erscheinungsformen vorzufinden ist, zu besichtigen.

TIPP im
April/ Mai 2016

Eis 10002

 

Ulla-Lena Lundberg: “EIS”
(Mediennummer2015/581)

Geschichte einer Pfarrersfamilie auf einer finnisch-schwedischen Inselgruppe kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Anderthalb Jahre nach Kriegsende erhält Petter Kummel die Pfarrstelle auf den abgelegenen Örarinseln. Mit seiner Frau Mona und der kleinen Tochter Sanna richten sie sich im Pfarrhäuschen ein. Insgesamt fühlen sich die Kummels wohl in dieser rauen Landschaft mit den tief gläubigen Menschen. Dass die Gemeinde in zwei gegensätzliche Fraktionen gespalten ist, erschwert die Verwaltungsarbeit; Kummel schafft es aber letztlich immer wieder, gedeihliche Kompromisse zu erzielen. Freundschaften entstehen, so mit Küster und Kantor und dem Pfarrer der der Nachbarinseln. Doch die glückliche Zeit dauert nicht an; nach einigen Jahren trifft die Familie ein fürchterliches Unglück und alles wird grundlegend anders. - Die Autorin ist in finnisch-schwedischen Kreisen sehr bekannt; sie wurde vielfach ausgezeichnet. Dieser Roman ist der erste, der auch in deutscher Übersetzung aufgelegt wurde. Die Autorin schildert den Tagesablauf der Menschen in eindringlichen Bildern. Lange Zeit passiert nicht so sehr viel, trotzdem verfolgt man als Leser mit Spannung, wie die Protagonisten ihr Leben meistern. Alle Charaktere sind genau und treffend gezeichnet; die Sprache ist eindrucksvoll und das Buch mit dieser anrührenden und auch lebhaften Geschichte berührt immens. Ein Buch, das allen Leser/innen bestens empfohlen werden kann.

TIPP im
März/ April 2016

Altes Land 100

 

 

 

Dörte Hansen:
“ALTES LAND”
Ausgezeichnet mit dem Usedomer Literaturpreis 2016
(
Mediennummer: 2016/034)

Roman über ein ostpreußisches Flüchtlingskind, das in Norddeutschland eine neue Heimat findet.

Von ihrem Gutshof in Ostpreußen vertrieben, finden Hildegard von Kampcke und ihre fünfjährige Tochter Vera auf Ida Eckhoffs Hof im Alten Land endlich Unterschlupf. Trotz ihrer späteren Heirat mit Idas Sohn Karl, der, von Albträumen geplagt, aus dem Krieg zurückgekehrt war, verlässt Veras Mutter Hof und Tochter, um in Hamburg eine neue Familie zu gründen. Einfühlsam und nachvollziehbar schildert Hansen die schwierige Situation von Flüchtlingen, die, unerwünscht und nur geduldet, in einer fest gefügten Gemeinschaft keine Chance haben, sich zu integrieren. - Obwohl der Roman auf das Schicksal der 1945 aus Ostpreußen Vertriebenen zurückgreift, ist er aufgrund seines Themas hoch aktuell. Wie steht es um die Bereitschaft unserer Gesellschaft, der Gemeinschaften in Städten und Dörfern, Fremde zu integrieren?

TIPP im Januar/ Februar 2016

 

 

 

 

 

 

 

Erpenbeck 100

 

 

 

 

Jenny Erpenbeck:
“GEHEN. GING. GEGANGEN”
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015
(
Mediennummer: 2015/1154)

Hochaktueller Roman, der Flüchtlingen eine sensible und differenzierte literarische Stimme gibt.

Wohin geht ein Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll? Dieser Frage steht Richard, frisch emeritierter Professor für Altphilologie, bei Eintritt in seine Pensionszeit gegenüber. Als er gerade dabei ist, sein universitäres Büro auszuräumen und sein Leben neu einzurichten, gehen ihm Flüchtlinge, die in seiner Berliner Heimat auf dem Oranienplatz auf sich aufmerksam machen, nicht mehr aus dem Kopf.  "Wohin geht der Mensch, wenn er nicht weiß, wo er hingehen soll?" bekommt eine neue, viel konkretere und größere Dimension. - Der hochaktuelle, brisante Roman bietet weder Antworten noch moralisiert er; und doch wird der Leser Antworten auf drängende Fragen finden. Erpenbeck beeindruckt mit einer feinsinnigen Sprache und dem Verweben literarischer Motive und Handlungen und aktueller deutscher Geschichte mit Bekanntem aus klassischer Literatur, die somit erneut Gewicht bekommt.

 TIPP im August/ September ...

  Doerr Licht 10002

 Anthony Doerr:
“Alles Licht, das wir nicht sehen”
Pulitzer Preis 2015
(
Mediennummer: 2015/681)

Die Lebenswege führen eine junge Französin und einen jungen Deutschen im Zweiten Weltkrieg zusammen.

Saint-Malo 1944: Die erblindete Marie-Laure flieht mit ihrem Vater, einem Angestellten des "Muséum National d'Histoire Naturelle", aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer. Verborgen in ihrem Gepäck führen sie den wahrscheinlich kostbarsten Schatz des Museums mit sich.
Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert und landet auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, der die Résistance mit Daten versorgt...
Hochspannend und mit einer außergewöhnlichen Sprachkunst erzählt Anthony Doerr die berührende Geschichte von Marie-Laure und Werner, deren Lebenswege sich für einen schicksalsträchtigen Augenblick kreuzen.

Empfohlen von Uwe und Mechthild Kaltenthaler

TIPP im März/ April/ Juni/ Juli

Stefanie Kremser: 
Der Tag, an dem ich fliegen lernte
(Mediennummer: 2015/022)

Kaum geboren, wird Luisa von ihrer Mutter aus dem Fenster im fünften Stock einer Münchener Frauenklinik geworfen. Wie durch ein Wunder geht unten Fergus, ein hier lebender Brite, vorbei und fängt das Baby auf. Als man das Mädchen ins Zimmer zurückbringen möchte, ist Aza, die Mutter, verschwunden. So wächst Luisa in der Fürsorge ihres Vaters Paul und unter tatkräftiger Mithilfe einer meist etwas chaotischen Wohngemeinschaft auf. Später findet sie heraus, dass ihre Vorfahren gegen Ende des 19. Jh. aus einem Dorf in Oberbayern nach Südamerika ausgewandert waren. Doch irgendwie scheint ein Fluch auf dieser Familie zu liegen. Von all dem wissen Paul und Luisa solange nichts, bis sie in Brasilien den von der Zivilisation fast vergessenen Ort der Auswanderer aufspüren. Weil zufällig auch Aza da ist, die inzwischen mit Mann und Kindern in den USA lebt, werden endlich Luisas "Fenstersturz", die überraschende Wahrheit über ihre Abstammung und die Hintergründe des vermeintlichen Familienfluches geklärt. - Ein wunderbar erzählter Roman über die Unwägbarkeiten des Lebens, über schicksalhafte Verstrickungen und sich immer wieder neu eröffnende Chancen.

TIPP im Januar und im Februar

Robert Seethaler: ”Ein ganzes Leben”
(Das Buch gibt es bei uns als E-Book bei www.libell-e.de )

Das Leben des Andreas Egger ab seinem vierten Lebensjahr bis zu seinem Tod, dargestellt in eindrücklicher Sprache.

Andreas Egger kam 1902 mit etwa vier Jahren in das namenlose Bergdorf, nachdem seine Mutter gestorben war. Der Großbauer Hubert Kranzstocker nahm seinen Neffen nur ungern auf und ließ ihn oft die Gerte spüren. Dabei bricht er ihm eines Tages das Bein, das vom Knochenrichter nur notdürftig wieder hergerichtet wird und ihm ein lebenslanges Handicap beschert. Der Leser begleitet Egger durch seine Schulzeit, erfährt vom Tod der geliebten Ziehmutter und erlebt mit, wie er als Hilfsarbeiter bei den Vorbereitungen für die ersten Seilbahnen mitarbeitet. Und dann begegnet Egger Marie, der Liebe seines Lebens, die er durch ein Unglück jedoch wieder verliert. Es folgt der Zweite Weltkrieg, der ihm 1942 die Einberufung und nach Kriegsende die Gefangenschaft in Russland beschert. Um ihn herum verändert sich die Welt, es gibt plötzlich Fernseher, der erste Mensch landet auf dem Mond, sein Tal wird Touristengebiet und er Fremdenführer. Mit 79 Jahren stirbt Egger zufrieden mit seinem Leben und voller Staunen darüber, wie es abgelaufen ist und welche Wendungen es genommen hat.

Dem Wiener Autor Robert Seethaler ist mit dieser Lebensbeschreibung in knappen und doch funkelnden Sätzen ein eindrückliches Stück Literatur gelungen, das jedem Leser empfohlen werden kann.

TIPP im November und Dezember

Max Scharnigg: 
       ”Vorläufige Chronik des Himmels über Pildau”
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/453)

Roman über eine nicht alltägliche Kindheit auf einem Einödhof.

Max Scharnigg erzählt die Geschichte dreier Generationen, die auf dem Einödhof Pildau aufwachsen. Ludwig Honigbrod kommt als Kind während des Ersten Weltkriegs nach Pildau und kümmert sich dort später um Ella und deren Sohn Max. Aus Max wird ein gefragter Wissenschaftler, aber auch ihn verschlägt es wieder auf den Pildauer Hof, wo er seinen Sohn Jasper großzieht. Das Leben auf Pildau ist wie aus der Zeit gefallen, und nur hin und wieder wirft die Zeit einen Blick auf den Hof, etwa in Form eines englischen Piloten, während des Zweiten Weltkrieges. Als der Großvater stirbt, das Mädchen Lada, das vor Jahren zu ihnen gestoßen war, den Hof verlässt und schließlich der Vater ums Leben kommt, ist für den Ich-Erzähler Jasper die Kindheit, mit all ihrer Magie und ihren sommerlichen Träumen zu Ende. 

 Das Buch ist die poetische Geschichte einer Kindheit, die den Zauber unbeschwerter Jahre in einer märchenhaft skurril anmutenden Familie entfaltet. Scharnigg gibt seinen Figuren mit erstaunlicher Beiläufigkeit eine Tiefe, die sie in einem liebevollen Glanz und dennoch authentisch erscheinen lässt.

TIPP im Oktober

 

Rachel Simon: 
       ”Die Geschichte eines schönen Mädchens”
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/123)

Ein wunderbarer, anrührender Roman: Eine junge Frau muss ihr Kind zurücklassen und hört nicht auf, es zu suchen und auf ein Wiedersehen zu hoffen. 

Amerika im Jahr 1968: Die Witwe Martha lebt in ihrem abgelegenen Haus ein einsames Leben. Dann jedoch steht ein wildfremdes, verzweifeltes Paar vor ihrer Tür. Sie sind aus einer nahen Anstalt geflohen. Wenig später tauchen ihre erbarmungslosen Wächter auf. Während der Mann entkommen kann, wird die junge Frau in ihr trostloses Dasein zurückgebracht. Doch was ihre Häscher nicht wissen: Lynnie hat kurz vor ihrer Flucht ein Mädchen geboren und in dem Haus der Witwe verstecken können. Martha verspricht, sich um den Säugling zu kümmern. Eine große epische Reise beginnt, die über vierzig Jahre währt.

TIPP im August und im September

Benchetrit, Samuel: 
       Rimbaud und die Dinge des Herzens
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2013/271)

Ein kleiner Junge sucht in der feindlichen Umgebung der Pariser Banlieue einen Tag lang nach seiner Mutter - und nimmt uns dabei mit auf eine Reise in eine überraschende Welt voller Hoffnung und Poesie. 
Eine moderne Fabel, die glücklich macht.

 

TIPP im Juli

Doris Knecht:  ”Besser”
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/458)

Moderner, kurzweiliger Roman über das Leben einer Wiener Künstlerin.

Antonia Pollak hat ein Leben, von dem viele träumen ihr Mann Adam trägt sie und die beiden Kinder auf Händen, man leistet sich, worauf man Lust hat, hat Freunde mit interessanten Jobs, alles läuft in festen Bahnen. Doch Toni Pollak hat auch ein paar Geheimnisse, von denen ihr Liebhaber noch das kleinste ist. Zu ihrer Mutter hat sie jeden Kontakt abgebrochen, und zu bestimmten anderen Leuten auch. Ein ziemlich perfektes Leben. Bis die Vergangenheit anklopft.Ein so schwarzes wie komisches Buch über die bröckelnde Fassade eines Upperclass-Lebens.

Ausgezeichnet mit dem Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag 2013

Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler
 

TIPP im Juni

Claire Keegan: ”Das dritte Licht”
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/457)

Ein kleines Mädchen lernt weitab von ihren Eltern, was Familie bedeutet.

Am Sonntag nach der Frühmesse bringt ein Vater seine kleine Tochter zu entfernten Verwandten. Dort wird sie den Sommer verbringen, denn ihre Eltern können die vielen Mäuler fast nicht mehr stopfen. Für das Mädchen ist die neue Welt fremd, ungewohnt. Keine lautstarken Auseinandersetzungen, kein ungehobeltes Verhalten, keine ständigen Geldsorgen, keine viel zu hohen Einsätze beim Spielen. Hier gibt es Raum und Zeit zum Denken, Nahrungsmittel und Liebe im Überfluss. Oft befürchtet das Mädchen, dass etwas passiert, dass sie einen schlimmen Fehler macht und diese wunderbare Leichtigkeit verfliegt. Doch obwohl die Kinsellas ein trauriges Geheimnis umhüllt, lernt die Kleine, dass Familie nicht immer blutsverwandt ist.

Wunderschön und ungewöhnlich, voller Doppeldeutigkeiten, sodass man auch bei wiederholter Lektüre immer wieder neue Dinge entdeckt. Sehr empfehlenswert. (Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler)
 

TIPP im Mai

 

Doris Knecht: ”Gruber geht”
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/459)

Der erfolgreiche Mittdreißiger John Gruber wird von einem Tumor in seinem Bauch aus der Bahn geworfen.

In Doris Knechts Debütroman geht es dem Karrieristen Gruber an den Kragen. Der Manager, Mitte dreißig, hat sich sein Leben zwischen knallhartem Job und unaufwendigen Bettgeschichten ganz hübsch eingerichtet. Er gefällt sich als Zyniker, der seine Geliebte auch schon mal zum Weinen bringt, damit sie lernt, was die Realität von TV-Soaps unterscheidet. Dass er sich aber selbst mit einem coolen, sexy Superhelden verwechselt, dass er dann doch ein bisschen kleiner und schwächer ist als die Realität, das muss Gruber erfahren, als ein Tumor in seinem Bauch entdeckt wird. Gruber säuft, feiert durch und prügelt sich. Gruber macht Selbsterfahrung und Chemotherapie. Und Gruber verliebt sich. Schließlich wird er wieder heil. Aber er ist am Ende kein besserer Mensch. Vielleicht nur ein bisschen offener und liebevoller und kompromissbereiter. Vielleicht. Schmissig und pointenreich treibt Doris Knecht ihren höchst neurotischen und oft komischen Helden voran, bis in die Arme einer schlauen, schönen Berliner DJane die in Gruber irgendetwas sieht, was nicht einmal Gruber selbst in sich sehen kann, und die sich ebenfalls mordsmäßig verliebt ... Ein vielschichtiger Roman voller Witz und Wut. Und ein Held, in dem sich jeder wiedererkennt auch wenn er gar nicht will.

  • Empfohlen von Mechthild und Uwe Kaltenthaler

TIPP im APRIL

 

Fabio Geda: Der Sommer am Ende des Jahrhunderts
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/031)

Da sein Vater schwer erkrankt, verbringt ein Junge den Sommer beim Großvater - und lernt.

Der Tag, an dem der 12-jährige Zeno den größten Wolfsbarsch seines Lebens fängt, verändert alles. Denn an diesem Tag wird bei seinem Vater eine lebensbedrohliche Krankheit diagnostiziert. Zeno muss den Sommer in Norditalien beim Großvater verbringen, den er gar nicht kennt. In dessen Geschichte spiegeln sich die Tragödien des zu Ende gehenden Jahrhunderts. Ein berührender Roman über das starke Band zwischen den Generationen und die heilende Kraft der Erinnerung.

 

TIPP im MÄRZ

 

Uwe Timm: VOGELWEIDE
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2014/043)

Ein Ehebruch zerstört das glückliche Leben von vier Menschen, die neu beginnen müssen.
Über die Macht des BegehrensEin Mann hat alles verloren: seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung. Nun lebt er ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird. Anna kündigt ihren Besuch an eben jene Anna, die sechs Jahre zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hatte. 
 

TIPP im FEBRUAR

 

Dirk Kurbjuweit: KRIEGSBRAUT
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2013/077)

Ein Roman über eine deutsche Soldatin in Afghanistan, die in einen Konflikt zwischen Liebe und Pflicht gerät.

Die junge Esther beschließt, Soldatin zu werden, um ihrem bislang ziellosen Leben eine Richtungzu geben. Bald wird sie nach Afghanistan geschickt. Staub, betäubende Hitze und eine trügerische Langeweile, in der stets Anschläge drohen, bestimmen die Tage im Bundeswehrcamp. Gleichzeitig lernt Esther ein wildes, schönes Land kennen und trifft auf den rätselhaften Schulleiter Mehsud. Zögerlich verlieben die beiden sich. Eine äußerst riskante Beziehung gegen alle Vernunft undgegen alle Regeln ...
 

TIPP im JANUAR

 

Dirk Kurbjuweit: ANGST
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2013/432)

Eine wohlhabende Architektenfamilie sieht sich plötzlich einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt.

Kurbjuweits Roman ist eine Auseinandersetzung mit den Werten unserer bürgerlich-demokratischen Gesellschaft, ihren Notwendigkeiten und ihren Grenzen. Wenn seine Figuren auch aus einer inneren Logik heraus handeln, so bleibt allerdings auch Raum für das Unerklärliche, für eine Wirklichkeit, die erst in unserem Kopf entsteht, und die erstaunlich manipulierbar ist.

TIPP im DEZEMBER

 

INVICTUS
(Die DVD hat bei uns die Mediennummer 2010/641)

Hommage an den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger 
Nelson Mandela, der am 6. Dezember 2013 gestorben ist.

Der gerade erst zum südafrikanischen Staatspräsidenten gewählte Nelson Mandela setzt Anfang der 1990er-Jahre ein weithin sichtbares Zeichen für seine Politik der Verständigung zwischen Weißen und Schwarzen, indem er das bisher drittklassige nationale Rugby-Team motiviert, den Sieg in der Weltmeisterschaft zu erringen.

Zwar wurde der aufwändig ausgestattete, routiniert gespielte Film etwas zahflüssig in Szene gesetzt, überzeugt aber in der nuancenreichen Personenzeichnung und gipfelt in dem abschließenden mitreißenden World-Cup-Spiel. Gleichwohl bleibt er den Blick auf die fortdauernden Probleme des heutigen Südafrikas schuldig. (Kinotipp der katholischen Filmkritik) - Sehenswert ab 12 Jahren.

TIPP im NOVEMBER

 

 David Sieveking: VERGISS MEIN NICHT (2013/611)

Homage an die Lebens- und Liebesgeschichte seiner Eltern erzählt von Filmemacher David Sieveking - das Buch zum preisgekrönten Dokumentarfilm (bei uns Mediennummer 2013/868).

Es ist nicht nur ein Buch über Alzheimer, eine Krankheit, die Menschen verändert - Erkrankte ebenso wie ihre Angehörigen. Es ist die Geschichte einer Familie, die an der Erkrankung der Mutter zu zerbrechen droht, aber durch die fälligen Entscheidungen, wie ihr Leben gerade in der letzten Lebensphase aussehen soll, wieder alle näher zusammenrücken lässt. Und es ist die Geschichte eines Sohnes, der sich auf eine Spurensuche macht. Er reflektiert seine Beziehung zu ihr und gewinnt unbekannte Einblicke in die Geschichte seiner Eltern.
                                       Empfohlen von Dorothea Heim-Klemm

TIPP im OKTOBER

 

T.C. Boyle: SAN MIGUEL (2013/940)

IDie baum- und strauchlose Einöde der unwirtlichen, vor der kalifornischen Küste liegenden Insel San Miguel ist Schauplatz dieses fesselnden Historienromans. Sie wird für zwei Familien zur Schicksalsinsel. Für die lungenkranke Marantha Waters, die ihrem Mann Ende des 19. Jh. widerstrebend und nur in der Hoffnung auf Genesung gefolgt war, erweisen sich das raue Klima und die Einsamkeit als todbringend. Ähnlich empfindet ihre Tochter, die später vom rabiaten Stiefvater zum Bleiben gezwungen wird, weil er eine “Haushälterin” braucht, der aber die Flucht zurück aufs Festland in die Zivilisation gelingt.

Jahrzehnte später lassen sich die Lesters nieder, ebenfalls um hier Schafe zu züchten. Dem Paar liegt das naturverbundene Pionierdasein, sie bekommen Kinder und genießen ihre Jahre “allein an einem ungezähmten wilden Ort” (S. 227). Als Herbie, der sich immer als “König der Insel” fühlte, verunglückt, ändert alles ... - Dieser klar sich entwickelnde, aus der Sicht der drei so unterschiedlichen Frauen erzählte Roman ist spannend, historisch exakt recherchiert und erzählt psychologisch genau austarierte Familiengeschichten. Jede seiner Figuren beantwortet jeweils für sich die Frage nach der existenziellen Grundbefindlichkeit und nach den wirklichen Bedürfnissen des Menschen.

Lesenswert ist dieser atmosphärisch ungemein dichte Roman aber auch wegen seines präzisen Realismus, der, fast im Stil der großen Romanciers des 19. J., Detailgenauigkeit mit großer sprachlicher Meisterschaft verbindet.

Empfohlen vom Borromäusverein und von Mechthild Kaltenthaler

TIPP im AUGUST

 

Annette Hohberg: EIN SOMMER WIE DIESER (2013/452)

Ihr Herz zerbrach, als sie am Bahnhof stand. Das Püppchen eines kleinen Mannes in der Hand, von dem er gesagt hatte, es würde an diesem Tag mit seinem Püppchen einer Frau vereint. Doch kein Stephan. Sie hatten eine unglaubliche Woche in Cinque Terre verbracht, und nun ließ er sie einfach im Stich. Klara findet dennoch ihren Weg, wird Mutter, Buchhändlerin, heiratet einen netten Mann und richtet sich in ihrem Leben komfortabel ein, bis er plötzlich mit seinem Püppchen in der Hand vor ihr im Laden steht: Stephan? Sofort sind die Gefühle wieder da, überschwemmen sie, reißen alles mit, was sie sich in den vergangenen 20 Jahren aufgebaut hat, bedrohen ihre Ehe, ja sogar die Beziehung zu ihrer Tochter, die sich ausgerechnet in den Literaturprofessor verlieben muss, der die große Liebe ihrer Mutter ist. Wie wird sich Klara entscheiden?

Wortgewandt, gefühlvoll und spannend erzählt die Autorin eine warmherzige, tiefsinnige Geschichte über zwei sich liebende Menschen, die getrennt voneinander einen falschen Lebensweg eingeschlagen haben und nun vor der Entscheidung stehen, ihr bisheriges Leben wegzuwerfen, um eventuell ihr verspätetes, gemeinsames Glück zu finden. Vor allem aber taucht Annette Hohberg die Geschichte in die hellen, warmen, satten Farben des Sommers und reißt einen mit in den Gefühlsstrudel eines langen Sommers. Ein vollmundiger Lesegenuss, empfohlen von Mechthild Kaltenthaler.
 

Tipp im Juli

 

Susanna Tamaro: MEIN HERZ RUFT DEINEN NAMEN (2013/434)

Ohne Pathos erzählt der Herzchirurg Matteo, wie es dazu kam, dass er nur in Gesellschaft seiner Tiere hoch oben in den Bergen seit 15 Jahren ein zurückgezogenes Leben führt. Vor langer Zeit warf ihn ein tragisches Unglück aus der Bahn. In Rückblenden lässt Matteo seine Kindheit vorüberziehen, erinnert sich, wie sein blinder Vater geduldig das eigene Schicksal ertrug, welche Freude die junge Nora ihm bereitete und wie grausam ein einziger Moment das ganze Leben verändern kann. Danach flüchtet sich Matteo in den Alkohol, stürzt seine Geliebte beinahe ins Elend und sieht nur in seinem Eremiten-Dasein eine Möglichkeit weiterzuleben. Erst ein Brief seines Vaters und die Worte eines Jungen, der Matteos Bekanntschaft in der Abgeschiedenheit sucht, veranlassen ihn, sein Schicksal anzunehmen.

 Fünf Jahre hat die italienische Schriftstellerin Susanna Tamaro ihre weltweite Fangemeinde warten lassen. Sie meldet sich zurück mit einem Roman, der einem noch lange bewegt. Matteos Weg durch die Hölle und zurück, seine Gedanken zu Gott und der Liebe beeindrucken durch ihre Reife. Ein zum Weinen schönes Buch, empfohlen von Mechthild Kaltenthaler.

Tipp im Juni

 

Grégoire Delacourt: ALLE MEINE WÜNSCHE (2013/451)

Joceline ist mit ihrem Leben zufrieden. Sie ist 47 Jahre alt, die Kinder sind aus dem Haus, sie liebt ihren Ehemann trotz seiner Mängel und sie betreibt ein Kurzwarengeschäft. Darin geht sie ganz und gar auf.

Eines Tages überreden zwei Nachbarinnen sie, ein Lotto zuspielen. Sie gewinnt etwa 18 Mio. Euro. Nun ist sie ratlos. Was soll sie damit machen? Am liebsten möchte sie den Scheck verbrennen, doch versteckt sie ihn zunächst in ihren alten Schuhen. Dort findet ihn ihr Ehemann.

Das Buch ist sehr spannend geschrieben, einfühlsam und tiefsinnig. Ein wunderbares Lesevergnügen, das zu denken gibt. Empfohlen von Mechthild Kaltenthaler.

Tipp im Mai

 

Gregor Sieböck: Der Weltenwanderer (2013/289)

Die Sehnsucht nach einem einfachen Leben und die Vision eines unweltbewussten Lebens führte den Wirtschaftler Gregor Sieböck zu Fuß in die Welt hinaus. Drei Jahre ist er zu Fuß um die Welt gewandert. von seiner Heimat Bad Ischl aus auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela und an die portugiesische Küste, danach in Südamerika durch die endlosen Weiten Patagoniens in Argentinien und Chile und auf der königlichen Inkastraße durch das Hochland Perus. Eindrücke eines modernen Lebensstils sammelte er auf dem Küstenwanderweg Kaliforniens und auf seinen Wanderungen in der Umgebung von Kioto und Tokio. Schließlich beendete er seine Reise mit einer Durchquerung Neuseelands.

“Du fühlst dich, wie wenn du die Reise mit ihm machen würdest. Die physische Reise ist aber nur ein Teil des Buches. Die spirituelle Reise, die er in drei Jahren Laufen unweigerlich durchmacht, ist mindestens genau so interessant. (Sascha Buhmann)
 

Tipp im April

 

Grémillon, Hélène: DAS GEHEIME PRINZIP DER LIEBE (2012/1186)

Die erfolgreiche Verlegerin Camille erhält eines Tages geheimnisvolle Briefe, die von einer bedingungslosen, aber unglücklichen Liebe zwischen Annie und Louis erzählen, die sich während des Zweiten Weltkriegs in Paris verloren haben. Die Texte entpuppen sich als die traurige Geschichte ihrer eigenen Familie. Der geheimnisvolle Absender berichtet von der jungen Künstlerin Annie, die für ihre reiche, aber unfruchtbare Gönnerin Madame M. ein Kind bekommt. Die Wirren des Krieges lassen den Mutterinstinkt in beiden Frauen erwachen, sodass sie schließlich um das kleine Mädchen kämpfen. Madame M. schafft es schließlich, Annie in den Selbstmord zu treiben. Madame M.‘s Traum einer bedingungslosen Liebe zu ihrer kleinen Camille scheint sich zu erfüllen. Bis sie eines Tages die Schatten der Vergangenheit einholen.

Mit großem erzählerischem Können besticht dieser außergewöhnliche Roman über eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft. Die Autorin hat großartige Charaktere geschaffen, die den Leser sofort gefangen nehmen und deren Leben und Lieben tief berühren. Einfach wunderbar! (Borro Rezension: Stefanie Simon)

Tipp im März

 

LIEBE (2013/223)

Ein altes Ehepaar aus Paris ist sich auch nach vielen Jahrzehnten noch in Liebe zugetan. Als die Frau einen Schlaganfall erleidet, beginnt sich ihr gemeinsames Leben entscheidend zu ändern.

Das meisterlich inszenierte Kammerspiel fasst nüchtern die Unausweichlichkeit des Todes ins Auge, ohne die Grenze zur Sentimentalität zu überschreiten.

Eine von großartigen Darstellern getragene, radikale Apologie der Empathie, überraschend altersmilde, kämpferisch und zurückhaltend zugleich. Der tief berührende Film über die Liebe und die Vergänglichkeit der menschlichen Natur ist eine für viele Auslegungen offene Meditation über das Ende, bar aller Illusionen, gleichwohl getragen von einer Würde, die auch das provokante Finale trägt.

Kinotipp der katholischen Filmkritik, Sehenswert ab 16 Jahren, empfohlen von Mechthild und Uwe Kaltenthaler
 

Tipp im Februar

 

Erri De Luca: Das Gewicht des Schmetterlings (2012/1158)

Lange lebt der alte Wilderer schon als Eremit hoch in den Bergen und hat im Laufe seines Abenteurerlebens viele Gämsen erlegt. Nur der starke, fast unbezwingbare Gämsenkönig fehlt noch auf seiner Trophäenliste.

Der 60-jährige Neapolitaner De Luca (*1950) erzählt diesen letzten Kampf eines alten Naturmenschen mit einem erfahrenen Geschöpf der Berge einfühlsam, liebevoll und mitreißend und lebt mit der Natur und der Seele des Menschen und der Tiere mit.

Als stilistische Fingerübung ist anschließend noch die feuilletonistische Beschreibung einer frei stehenden Zirbe mit dem Titel “Der Besuch eines Baumes” abgedruckt - als Beispiel der kleinen Form, die der Autor gerne praktiziert - sowie ein lesenswertes Nachwort des Übersetzers.

Borro Rezension: Georg Bergmeise

 

Tipp im Januar

 

Frances Greenslade: Der Duft des Regens (2012/1078)

In den Wäldern im Westen Kanadas ist die Welt noch in Ordnung - zumindest für die Schwestern Maggie und Jenny. Als der Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, fühlt Maggie sich in ihren tiefsten Ängsten bestätigt, schlimmer noch: Es scheint sich die im Dorf vorherrschende Überzeugung zu bewahrheiten, dass ein Unglück selten allein kommt. Auf der Suche nach einem Lebensunterhalt lässt die Mutter die Mädchen bei einer fremden Familie zurück, vorübergehend, sagt sie. ...

Ein anrührender und mitreißender Roman, allen Leserinnen und Lesern empfohlen von Mechthild Kaltenthaler

Tipp im Dezember

 

Pia Ziefle: SUNA (2012/843)

Suna ist die Geschichte einer jungen Frau, die erst spät erfährt, dass sie adoptiert ist. Sie reagiert mit Ablehnung, Rebellion und Wut, da sie glaubt, ihre wirkliche Mutter habe sie nie geliebt. Als es ihr wirklich schlecht geht, macht sie sich auf die Suche, findet ihre jugoslawische Mutter, erfährt von ihrem türkischen Vater, der der Mutter seine Frau und Kinder in der Türkei verschwiegen hatte. Ihre Geschichte erzählt sie ihrer wenige Monate alten Tochter in sieben Nächten als Vorbereitung auf eine Reise zu ihren Wurzeln. [Martina Häusler; Borro Rezension]

Mit ihrem Erstlingswerk ist Pia Ziefle ein ganz außergewöhnlicher Roman gelungen, der getragen ist von einer sehr emotionalen Sprache, die zu Herzen geht. Die Lebenswege der Figuren - Deutsche in der Nachkriegszeit und Gastarbeiter - sind allesamt schwierig, sie alle ringen um ihre Identität und darin sind sie sich gleich.

Ein fesselnder Roman, allen Leserinnen und Lesern empfohlen von  Mechthild Kaltenthaler.

Tipp im November

 

HALT auf freier Strecke  (2012/030)
Ein Film von Andreas Dresen

Ein Familienvater erkrankt unheilbar an einem Hirntumor und hat nur noch wenige Wochen zu leben. Zunächst kann der Kranke noch seinen Alltag fortführen, bald aber macht sich die zerstörerische Wirkung des Geschwürs bemerkbar. Eindringlicher Film über die körperlichen und emotionalen Auswirkungen eines Krankheitsverlaufs und Sterbeprozesses, dem mit mobiler Handkamera und einem aus Schauspielern und Laien bestehenden Ensemble eine realistische Annäherung an sein Thema gelingt. Ohne Beschönigung und Rührseligkeit wird der Zuschauer mit den Tatsachen dieses Sterbens konfrontiert, wobei dessen Ungeheuerlichkeit Schritt für Schritt abgebaut wird. 
Kinotipp der katholischen Filmkritik, Sehenswert ab 16.

Tipp im Oktober

 

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2012/ 834)

Alles beginnt mit einem Brief. Harold hat von seiner früheren Arbeitskollegin Queenie seit zwanzig Jahren nichts mehr gehört. Jetzt schreibt sie, dass sie Krebs hat und in absehbarer Zeit sterben wird. Der Brief löst eine Flut an schmerzhaften, lange verdrängten Erinnerungen aus. Mit seiner Frau Maureen kann er sich nicht beraten, seit Jahren schon herrscht Funkstille zwischen ihnen. Schließlich bringt er einen Zweizeiler zustande. Als er den Brief in den Briefkasten werfen will, sieht er ein, dass diese zwei Zeilen nicht ausreichen. Deshalb läuft er am Briefkasten vorbei und weiter, immer weiter - am Ende werden es mehr als 1000 Kilometer quer durch England sein, bis er das Pflegeheim erreicht, in dem Queenie untergebracht ist.

Rachel Joyce erzählt eine berührende Geschichte von Aufbruch und Neubeginn, von Schuld und Vergebung, von Leben und Tod. Mit großem Geschick hält die Autorin die Spannung aufrecht, indem sie nur scheibchenweise preisgibt, welch’ traurige Geschichte sich zwanzig Jahre vor Harolds Aufbruch abgespielt hat. Außerdem hält sie die Frage wach, ob Harold überhaupt ankommt und Queenie das noch erlebt.

Dieser Roman ist zum Weinen schön; seine Lektüre macht glücklich!
(Borro Rezension: Christoph Holzapfel)
 

Tipp im September

 

Axel Hacke; Ursula Mauder: Das Beste aus meinem Liebesleben
(Die CD hat bei uns die Mediennummer 2011/1243)

Geschichten und Songs über die Liebe an guten und schlechten Tagen. Ausgezeichet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie FOCUS Hörbuchpreis 2011

Am Beginn einer Beziehung sieht das gemeinsame Leben noch rosarot 
aus, meint man, bis man den Anfang von Axel Hackes Beziehungsratgeber hört: Danach hoffen 75 Prozent der Frauen, dass ihr Männer sich im Laufe der Ehe ändern. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so reflektiert Axel Hacke in diesem Text Situationen aus dem Beziehungsalltag von “Anderemänner” bis “Zahnpastatube”. In seiner gewohnt humorvollen Art gelingt es ihm, das Problem auf den Punkt zu bringen und Lösungswege aufzuzeigen, ohne den therapeutischen Zeigefinger zu heben oder dogmatisch zu wirken. Ein Hörbuch mit Songs von Ursula Mauder. Eine CD, die nachdenklich stimmt, zugleich unterhält und vor allem Anknüpfungspunkte bietet, an einer Beziehung zu arbeiten. 
(Borro-Rezension von Birgit Ebbert).

 

Tipp im August

 

Cleave, Chris: Little Bee 
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2012/844)

Als Little Bee nach zweijähriger Gefangenschaft aus einem Abschiebelager in England entlassen wird, besitzt sie nichts außer ihrer Kleidung und der Telefonnummer des Journalistenehepaares Sarah und Andrew O'Rourke. Die nun 16-Jährige hatte die beiden in ihrem Heimatland Nigeria kennengelernt, als sie mit ihrer großen Schwester Kindness auf der Flucht vor der Mörderbande eines Ölkonzerns war. Die beiden Mädchen flehten das reiche weiße Paar um Hilfe an, doch dieses glaubte an einen Trick, bis tatsächlich die Verfolger kamen und Sarah durch ihren unglaublichen Mut wenigstens die Jüngere vor dem Tod bewahren konnte. Little Bee flüchtete danach auf ein Schiff und fuhr bis nach England als blinder Passagier mit. Im dortigen Abschiebegefängnis lernte sie, perfektes Englisch zu sprechen. Nun beschließt die Nigerianerin, Sarah zu besuchen.

Little Bee wird sehr gelassen und frei von jeglichem Hass oder Wut dargestellt. Ein empfehlenswertes, gut zu lesendes Buch mit interessantem Hintergrund.

Bei uns auch als Hörbuch: 2012/504

 

Tipp im Juli

 

Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte 
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer: 2012/101)

Wie trügerisch die Erinnerung sein kann, zeigt Julian Barnes in seinem schmalen Roman, für den er den renommierten Man-Booker-Preis erhielt. Tony blickt auf ein wenig aufregendes, aber befriedigendes Leben zurück. Ein guter Job, die Ehe zwar geschieden, aber immer noch eine freundschaftliche Beziehung zu Frau und Tochter, bescheidener Wohlstand, keine gesundheitlichen Probleme. Sein beschaulicher Alltag gerät durcheinander, als er eine unerwartete Erbschaft macht, die seine Erinnerung auf die Schulzeit zurücklenkt. Damals waren sie vier Freunde gewesen, wobei Adrian mit Abstand der klügste war. Er ging dann auch nach Cambridge, die Welt stand ihm offen, umso überraschender dann sein Selbstmord. Jahrzehnte später erbt Tony nun Adrians Tagebuch, jedoch weigert sich Veronica, die zuerst Tonys und dann Adrians Freundin war, den Text herauszurücken. Auch Tony gibt nicht nach, um schließlich herauszufinden, welch verhängnisvolle Rolle er damals spielte. - Ein bewegendes literarisches Meisterwerk, allen Leser/innen sehr empfohlen.

 

Tipp im Juni

 

Riikka Pulkkinen: WAHR
(Das Buch hat bei uns die Mediennummer 2012/532)

Martti und Elsa sind über fünfzig Jahre verheiratet, nun ist Elsa sterbenskrank und ordnet ihren Nachlass. Ihre Enkelin Anna übernimmt einen Teil der häuslichen Betreuung und entdeckt dabei ein fremdes Kleid im Schrank ihrer Großmutter. Durch diesen Fund wird Anna zur Vertrauten und die Großmutter offenbart ihr eine große Verletzung. Das Kleid gehörte Eeva, die in den späten sechziger Jahren das Kindermädchen von Annas Mutter war und für mehrere Jahre die Geliebte ihres Großvaters wurde. Und so wird Anna zur Zeugin eines bisher verborgenen Familiengeheimnisses, das für ihren weiteren Lebensweg eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird. Für reife, versierte Leserinnen ein 
literarischer Genuss!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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